Reise: Die besten Pralinen in Belgien?

Was fällt euch ein wenn ihr an Belgien kulinarisch denkt? Mir genau drei Dinge, Schokolade, Bier und Pommes Frites. Als bekennende Schokoholikerin stand für mich natürlich fest, dass ich mich beim Besuch in den drei Städten Flanders, einem Teil von Belgien, auf die Suche nach der besten Schokolade Belgiens machen muss.

Fast 500 Schokoladenproduzenten findet man in Belgien, von der kleinen Produktion bis zu den international bekannten Häusern wie Neuhaus. Und ähnlich wie beim deutschen Bier, ist die belgische Schokolade weltweit bekannt. Dies liegt zum einen an der Tradition, auf den Zusatz von pflanzlichen Fetten zu verzichten und sich dem Vorsatz „100% Kakaobutter“ zu verschreiben, was am Gütezeichen ambao feststellbar ist. 

Und natürlich daran, dass in Belgien erstmalig im Jahr 1912 die erste Praline von Jean Neuhaus kreiert wurde, wobei die bisherigen Medikamentenfüllung durch Sahne und co. ersetzt wurde – die Geburtsstunde der Pralinenkunst. Das Pralinen erst seit 112 Jahren bestehen hat mich ganz offen überrascht. Heute reicht die Bandbreite vom Klassiker bis hin zu mit Hanf gefühlten Pralinen, alles ist vertreten.

beste Pralinen in Belgien

Aber wo findet man nun die besten Pralinen in Belgien her? In Brüssel, Brügge und Genf besuchte ich insgesamt sieben Produzenten, vom Ein-Mann-Betrieb in Gent über die großen Häuser am Place du Grand Sablon in Brüssel. Gestest wurde das ganze dann im Juni mit zehn schokoladenbegeisterten Freundinen an einem heißen Sommertag – natürlich wusste keiner wer sich hinter welcher Praline versteckte.

Wir machten es uns nicht einfach, erst wurde kritisch die Pralinen von außen begutachtet, dann sorgfältig glatt aufgeschnitten, es wurde gerochen, es wurde der Biss getestet, der Schmelz der Schokolade auf der Zunge und natürlich die Aromen und Zusammensetzung der Füllung. Und selbst ich als Schokoholikerin geritt an meine Grenzen des Schokoladenkonsums.

Und das ist unser Testergebebnis – die besten Pralinen in Belgien:

beste Pralinen in Belgien

Yuzu, Gent
Etwas Abseits vom Stadtzentrum liegt verborgen das Geschäft von Nicolas Vanaise, der sich von der Produktion bis zum Verkauf um alles selber kümmert. Im Gespräch merkt man seine Liebe zur Schokolade, dem japanischen Einfluss auf die Gestaltung und die aussergewöhnlichen Kreationen.
Das Testergebnis: Einzeln eingepackte Pralinen, mit gleichen Abmessungen und ähnlicher aber doch jeweils einzigartiger, schlichter Verziehrung begeisterte alle zehn Tester. Akurate Handarbeit, ohne Luftraum der Füllung, sauberem Handwerk und dazu ausgesprochen gute Schokoladenqualität dund perfekte harmonische Kombination von verschiedenen Aromen, von klassisch bis aussergewöhnlich.
Platzierung: Platz 1 (einstimmiges Ergebnis)

beste Pralinen in Belgien

The Chocolate Line, Brügge
An einem kleinen Platz gelegen findet man eines von zwei Geschäften von Dominique Persoone und Fabienne De Staerke, 2004 wurde erstmalig ein Michelinstern verliehen. Persoone ist vor allem durch seine ausgefallenen Schokoladenkreationen bekannt, und bezeichnet sich selber auch gerne als „Shock-o-latie“.
Das Testergebnis: Das Aussehen der Pralinen hatte leicht durch den Transport gelitten, wurden sie nicht einzeln verpackt und lose übereinander geschichtet. Negative wurde zudem die Verarbeitung bewertet, nicht alle Pralinen war mit gleicher Sorgfalt hergestellt. Dafür überzeugte die Pralinen geschmacklich, ob Füllung oder Schokoladenbezug, der zudem den richtigen Biss hatte.
Platzierung: Platz 2

beste Pralinen in Belgien

Pierre Marcolini, Brüssel
1995 gewann Pierre Marcolini die Weltmeisterschaft in der Patisserie und eröffnete im gleichen Jahr sein erstes Geschäft in Brüssel und stieg schnell zu einem der besten Schokoladenkünstler Belgiens auf. Insbesonders legt er Wert auf die Qualität seiner Zutaten, und sucht jährlich neue Produzenten für die Rohzutat Kakaobohne.
Das Testergebnis: Die schöne Präsentation in der schwarzen Box mit passendem Papier leidet etwas durch die unterschiedlichen Formen und größen der Pralinen. Die Qualität der Schokolade machte sich auf der Zunge aller Tester bemerkbar, leider sorgten die teilweise eher traditionellen Füllungen für leichte Enttäuschung.
Platzierung: Platz 3

beste Pralinen in Belgien

Wittamer, Brüssel
Zwischenzeitlich wird das 1910 gegründete Unternehmen in dritter Generation geführt, und ist vorrangig für das vorzügliche Angebot der Patisserie der Konditorei und Cafe bekannt u.a. durch die Herstellung der Hochzeitstorte zur damaligen Kronprinzenhochzeit, jedoch gewinnt Wittamer nach und nach auch einen internationalen Ruhm als Chocolatier.
Das Testergebnis: Der Auftritt der Pralinen ist so unterschiedlich wie die Füllungen und sorgen für kein einheitliches Bild. Geschmacklich liegt Schokolade und Füllung nur im Mittelfeld.
Platzierung: Platz 4

Neuhaus,u.a. in Brüssel
1857 startete der Gründer von Neuhaus den Verkauf von Medikamenten mit einer Schicht Schokolade, um sie schmackhafter zu machen. Die 1935 kreierten Pralinenklassiker Astrid und Bonbon 13 werden auch heute noch angeboten. Zwischenzeitlich ist Neuhaus weltweit ein Begriff für gute Schokolade und Pralinen.
Das Testergebnis: Beim Test viel die perfekte Ausführung der einzelnen Pralinen auf, und schnell wurde die industrielle Fertigung vermutet. Der Geschmack der Schokolade konnte nicht völlig überzeugen, bei den Füllungen wurden die zu wenig kreativen Kombinationen negativ bewertet.
Platzierung: Platz 5

beste Pralinen in Belgien

Mary Chocolaterie, Brüssel
Bereits 1919 eröffnete Mary Delluc das erste Geschäft in der Rue de Royal. Im Design der Shops, der Präsentation der Pralinen und deren Verpackung spiegelt sich wieder, das Mary Chocolaterie zwischenzeitlich als Hoflieferantin ausgezeichnet wurde. Und die asiatischen Besucher sich die Klinke in die Hand geben, in einer der vielen Geschäfte in Brüssel.
Das Testergebnis: Weder die Schokoladenqualität, Ausführung sowie Füllungen konnten überzeugen und es wurde einheitlich jeweils die schlechste Benotung verteilt.
Platzierung: Platz 6

beste Pralinen in Belgien

Patrick Roger, Brüssel
Der Pariser Schokoladenkünstler Patrick Roger eröffete 2011 seine Boutique am Place du Grand Sablon im Herzen von Brüssel. Roger, der unter anderem den Weltrekord für den höchsten Weihnachtsbaum aus Schokolade hält, ist vorrängig für seine Kunstwerke aus Schokolade bekannt. Verzaubert allerdings auch seine Fans mit Pralinen und Schokoladentafeln.
Das Testergebnis: Im Test konnten die Pralinen von Patrick Roger allerdings nicht überzeugen, einstimmig viel hier das Urteil über die nicht überzeugende Qualität der Schokolade (u.a. mit Sojalecithin), den geringen Anteil an Füllungen und die zu schlechte Ausführung der einzelenen Pralinen.
Platzierung: Platz 6

Fazit:
Die Vielzahl an belgischen Pralinen ist unvorstellbar und wie so üblich ist jeder Geschmack anders. Der eine bevorzugt eher die traditionellen Schokoladenrichtungen und Füllungen, die anderen suchen die aussergewöhnlichen Geschmackskombinationen. Preislich herrschte überraschenderweise kaum Unterschied zwischen dem kleinen Betrieb in Gent und der „Massenproduktion“ Neuhaus, allgemein war die Pralinenschachtel bei Yuza am günstigsten gemessen am Gewicht mit knapp 23 €.

Und den Genuss? Die Augen schliessen, die Explosion an Aromen und Schokolade auf der Zunge geniessen und zurück an schöne Stunden in Gent & Flandern denken. Alle Pralinen sollten genossen werden, und dass hat jede einfach verdient.

Hinweis:
Die Reise nach Flandern erfolgte mit freundlicher Unterstützung von Visit FlandernBelgien sowie Gent.Und mit diesem Beitrag nehme ich am Flandern Blog Award 2014 teil.

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10 Kommentare

  1. Ja ich kann mich noch gut an die tollen belgischen Pralinen und Schokoladen erinnern. Ich war zum Teil damit ueberfordert damit, welche ich zu erst probieren soll – aber lecker waren sie eigentlich alle 😉 Aber dennoch finde ich es gut, du die Auswahl mit diesem Beitrag fuer den naechsten Besuch etwas leichter machst.

  2. Mary ist mein PLatz 1 und davon lass ich mich nicht abbringen. Marcolini ist auch top! Naja, ih war im Winter in Brüssel und da habe ich bei Mary vor allem die heiße Schokolade probiert. Pralinen sind da ja sehr, sehr teuer, da hab ich nur ein paar vernascht. ABer die heiße SChokolade… mmmhhh, die hätt ich grad auch gern.
    Toller post!
    Toni von backenmachtfroh.blogspot.de

    • Für heiße Schokolade war es im Sommer – also an dem einzigen Wochenende mit über 30 Grad- leider zu heiß, aber ein Grund noch einmal nach Flandern zu fahren, oder?

  3. wenn man die Bilder so sieht, muss man eigentlich ganz dringend nach Belgien. Oder kurz pragmatisch sein und in der Breuninger Confiserie ein paar Trüffel verköstigen. Zumindest als kurzfristige Entschädigung.
    Liebe Grüße
    Regina

    • Also die Reise wären die Pralinen auf jeden Fall es wert, beim Breuninger wurden bisher noch keine von mir verkostet ..muss ich gestehen.

  4. Woah! Dieser Test wäre genau das richtige für mich gewesen! *___* Alleine wegen den Pralinen will ich auch unbedingt mal nach Belgien. Und dass auch noch ein Pralinenhersteller mit japanischen Touch gewonnen hat, macht mir die Rangliste noch sympathischer. 😀
    Lecker!
    Liebe Grüße
    Christina

    • Liebe Christina, dann kann ich dir die Tour mit Brüssel, Gent und Brügge nur ans Herz legen – und am besten im Frühling oder Herbst, dann gibt es auch keine Gefahr das die Pralinen schmelzen 😉 LG Tina

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