Auf den Spuren der Sardinen in der Bretagne

Douarnenez – die Stadt der Sardinenfischer in der Bretagne

Douarnenez Guide via lunchforone

Da stellte ich mir die Bretagne stürmisch und regnerisch vor, und wurde in den ersten Tagen entlang der bekannten Touristenziele zwischen Vannes und Concarneau mit reichlich Sonne und schönem Wetter verwöhnt. Aber kaum zog es mich abseits der Touristenpfade in die alte Sardinenfischerstadt Douarnenez, zogen dunkle Wolken am Himmel auf, die Sonne wagte sich nur ab und zu dahinter vor.

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Rückblickend das passende Wetter für die Stadt. Auf dem Pfad der Sardinen, dem „Chemin de la Sardine“, geht es durch die Altstadt, durch verwinkelte Gassen. Selbst in den verwinkelten Altstadthäusern findet man die ersten Anzeichen der früheren Haupteinkunft – der Sardine. Ob es das Gebäude der alten Konservenfabrik ist, mit ihren Trockenschlitzen im oberen Geschoss oder der Sardinendose als Türdrücker und das obwohl der Hafen mit den alten Seemannsunterkünften noch ein Stück entfernt ist.

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Dieser Teil von Douarnenez ist geprägt von der Geschichte der Stadt als Ursprung der Sardinenkonserve. 1853 wurde die erste Konservenfabrik der Welt dort gegründet – und in wenigen Jahren entwickelte sich die Stadt zum Mekka der Sardinen. In der Blütezeit lief die Konservenproduktion in über 40 Fabriken auf Hochtouren.

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Die Männer zog es aufs Meer, die Frauen und Kinder schuppten und köpften die Sardinen, mit gekonntem Schnitt in den Bauch wurden die Innereien entfernt und für die Dauer eines „Ave Maria“ brutzeln die Fische in Sonnenblumenöl und wurden anschliessend in die Konserven verpackt.

Als die Fischschwärme nur ein paar Jahrzehnte später ausblieben, schlossen die Fabriken ihre Türen und die Stadt kämpfte ums überleben. Zwischenzeitlich wird nur noch in der Chancerelle die Konservendosen produziert.

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Zwar lässt auch in der Bretagne die Ausbeute der Fischer nach, aber die Sardinenschwärme haben sich in den letzten Jahren immerhin wieder blicken lassen. Und die Konservendose? Auch im Jahr 2017 ist sie immer noch begehrt. Ähnlich wie ein guter Rotwein, so hat auch die Jahrgangssardine ihre Anhänger.

In die Dosen dürfen nur die besten Sardinen, die zur richtigen Jahreszeit gefangen und frisch mit bestem Öl verarbeitet wurden. Nach den ersten fünf Jahren werden die Gräten mürbe, das Öl durchzieht den Fisch und der Geschmack wird angeblich feiner. Am besten lässt man die Dosen bis zu 30 Jahre reifen. Für so alte Dosen werden dann auch schnell bis zu 100 € fällig. Ob ich so lange dem öffnen widerstehen kann? Immerhin ist meine Dose aus dem Jahr 2011 erst rund 6 Jahre alt, das Verzehrdatum in 2019 ist in dem Fall nur eine Richtlinie.

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Zwischenzeitlich findet man zudem nicht nur die Version mit Olivenöl, in meinem Reisegepäck landete die Sardine mit getrockneten Tomaten, Piment d’Epelle und einmal die Version mit Trockenpflaumen. Ich bin gespannt.

Kulinarisch lohnt sich neben dem Genuss der Sardinen auch der bretonische Butterkuchen Kouign amann, aus einfachem Brotteig wird durch Butter und Zucker ein Genuss aus Teigschichten und Karamell, den besten findet man angeblich bei Lucas Thierry. 

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Mein persönliches Highlight und eine kleine Perle direkt an der Küste, fand sich im Teilort Tréboul. Vom ehemaligen Pfarrhaus und jetzigem Hotel Ty Mad, bietet sich ein traumhafter Blick über die Baue de Douranenez, dem alten Friedhof und der kleinen Kirche. Ganz ehrlich, ich hätte stundenlang einfach nur aus dem Fenster schauen können – ein Traum oder?

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Bei der guten bretonischen Küche und vermutlich einem Stück Butterkuchen zuviel zog es mich jedoch entlang des schmalen Küstenwegs zum Yachthafen, einem von insgesamt vier Häfen der Stadt, und plötzlich steht man der L’ile Tristen gegenüber steht.

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Die geheimnisvolle Insel, über den Mythus der tragischen Liebesgesichte rund um Tristan & Isolde, als Unterschlupf für den Piraten La Fontanelle und seine Männer, und Heimat einer der Konservenfabriken damit auch bei Ebbe der Fisch in die Fabrik gelangen konnte. Seit einigen Jahren steht die Insel unter Naturschutz, so dass die Insel nicht ohne Führung betreten werden darf.

Zwischenzeitlich muss der kleine Leuchtturm nicht mehr von Hand betrieben werden, trotzdem lebt seit Jahrzehnten ein Wächter auf der Insel, mit mehr als 150 Pflanzenarten und dem schwarzen und weißen Schaf.  Die Stadt, so nah und doch so fern – entweder mit dem Boot oder zu Fuss bei Ebbe, aber dies gilt nur für den Wächter. 

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Und nun Douarnenez? Eine Geheimtipp, perfekt als Stop auf der Rundreise durch die Bretagne. Ein paar Stunden durch die Altstadt schlendern, den Sardinen im Boden folgen, in den kleinen Läden bummeln oder in der Markthalle vorbeischauen, sich der Qual der Wahl bei der Auswahl der Sardinen stellen und einfach die fehlenden Touristen geniessen

Natürlich gibt es mit dem Port Museum oder der Kirche auch Sehenswürdigkeiten, aber warum nicht einfach treiben lassen?

Hinweis:
Die Reise in die Bretagne wurde von Tourismus Bretagne unterstützt, wie immer gibt dieser Artikel meine persönlichen Eindrücke und Erlebnisse wieder.

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