Runeberg Törtchen

Wer sind wir im Jahre 2015? In einer Welt, die sich in den letzten Jahren dank Internet und co. rasant geändert hat. Da lese ich am Wochenende das Online Angebot des britischen The Guaridan oder der amerikanischen New York Times, ich vermisse die politische Show The Colbert Report und im Feed Reeder wimmelt es nur so von englischsprachigen Foodblogs rund um den Globus.

Runeberg Törtchen

Und in Europa? Wir sind festes Mitglied in der Europäischen Union, wir teilen uns mit über 20 Ländern eine Währung, verreisen innerhalb des Schengen Abkommens sogar ohne jeglichen Reisepass. Unterscheidet uns nur noch unsere Sprache ? Oder sind wir hier nicht auch schon im englischen angekommen? So ganz ohne Schwierigkeiten lässt es sich mittlerweile verreisen.

Runeberg TörtchenGästebuch im Runeberg Museum, Provoo

Was uns auf jeden Fall unterscheidet sind unsere Traditionen, die Bräuche jeder Region und jedes Landes. Spannenderweise pflegen wir diese, auch noch im Jahr 2015. Im Januar in Finnland fiel mir das Angebot an runden, hohen und kleinen Törtchen auf. Mit einem Klecks Marmelade im Zuckergussring. Vermutlich wird man diese im Sommer eher selten antreffen, ist dies doch eben einer dieser Traditionen und Bräuche.
Gästebuch im Runeberg Museum, Porvoo

Finnland, ein Land das lange Jahre entweder sich Schweden oder Russland nennen musste, hatte einen langen und schweren Weg zum eigenen Land, mit einem Namen und dem denken eine Nation sein zu dürfen. Einer, der diese Gedanken als erstes auf Papier brachte, war der finnische Schriftsteller Johan Ludvig Runeberg, der in Mitte des 19. Jahrhunderts mit seinem Gedicht „Unser Land“ u.a. für den heutigen Text der Nationalhymne Finnlands verantwortlich ist.

Runeberg TörtchenOb sich hier auch die Runeberg Formen finden lassen? Runeberg Museum, Porvoo

Was hat nun Runeberg mit Tradition zu tun? Sein Frühstück ist hierfür verantwortlich. So liebte es Herr Runeberg den Tag mit Törtchen mit einem Klecks Himbeermarmelade und einem, vermutlich kleinen, Glas Schnaps zu beginnen. Noch heute wird in Finnland am 5. Februar, dem Geburtstag von Johan Runeberg, mit einem Runeberg Törtchen an ihn gedacht. Eine schöne Tradition, oder?

Und nicht nur eine schöne Tradition, die Runeberg Törtchen schmecken auch richtig gut. Das offizielle Rezept habe ich allerdings leicht abgewandelt, den Teig mit Buchweizenmehl und braunem Zucker etwas mehr nussigen Geschmack verliehen. Das traditionelle Rezept findet ihr z.B. bei Visit Porovoo oder bei einem Besuch im Runeberg Museum in Porvoo einfach danach fragen und in einem der vielen kleinen Cafe’s in Porvoo eines der Törtchen verzehren und eine kleine Sekunde an Runeberg dabei denken.

Runeberg Törtchen

Runeberg Törtchen
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Zutaten
  1. 150 g Butter, zimmerwarm
  2. 125 g braunen Zucker
  3. 2 Eier, Klasse M
  4. 1 El. Vanilleessenz
  5. 150 g Buchweizenmehl
  6. 70 g Mehl, Typ 405
  7. 0,5 Tl. Backpulver
  8. 1 Msp. Kardamon, gemahlen
  9. 1 El. Mandelessenz
  10. 100 g Mandeln, gemahlen
  11. 75 g Semmelbrösel (oder hier: fein gemahlene Pfeffernüsse)
  12. 100 ml Wasser
  13. 50 g Zucker
  14. 2 El. Rum
  15. 4 El. Puderzucker
  16. 1-2 Tl. Zitronensaft
  17. ca. 200 Himbeermarmelade
Zubereitung
  1. Den Backofen auf 180°C Ober-Unterhitze vorheizen. Dessertringe (schmall) ausbuttern, aus Backpapier a. 5 cm überstehende Streifen schneiden und damit die Dessertringe auskleiden. Alternative ein Muffinblech einfetten oder kleine Törtchen Formen verwenden.
  2. Die Butter mit dem Zucker schaumig schlagen, bis diese fluffig ist. Dann die Eier treffen, dass Eiweiss steif schlagen. Die Eigelb zur Butter-Zuckermasse geben und erneut so lange rühren, bis das Eigelb völlig aufgenommen wurde. Vanilleessenz zugeben, kurz verrühren.
  3. Das Mehl mit Buchweizenmehl, dem Kardamon und Backpulver sowie Mandeln und den Semmelbrösel vermischen und nach und nach zur Eiermasse geben.
  4. Vorsichtig das Eiweiß unterheben und den Teig in die vorbereitete Form füllen. Dieser sollte bei den Dessertringen knapp unter das Ende der Ringe reichen, glatt streichen.
  5. Für knapp 15-20 Min. backen, Stäbchenprobe dabei nicht vergessen. Auf einem Tortengitter abkühlen lassen.
  6. Für das Tränken in einem kleinen Topf das Wasser mit dem Zucker zum kochen bringen und so lange köcheln lassen bis ein Zuckersirup entstanden ist, dann den Rum zugeben.
  7. Nun mit einem Stäbchen 3-4 Mal in die Törtchen stechen, allerdings nicht bis zum Boden. Dann mit einem Löffel etwas des Rumsirups auf die Oberfläche geben, einziehen lassen über Nacht.
  8. Am nächsten Tag aus Puderzucker und Zitronensaft einen sehr dicken Zuckerguss herstellen, und diesen Ringförmig auf die Törtchen spritzen. Festwerden lassen und dann einen Klecks Himbeermarmelade kurz vor dem Servieren in den Ring geben, glattstreichen.
  9. Die Backform einfetten und dann mit Semmelbröseln ausschwenken. (Ja, im Ernst. Der Sinn der Sache ist, daß der Kuchen nach dem Backen außen mit Semmelbröseln bedeckt ist.) Den Teig in die Form füllen und glattstreichen. In den Ofen stellen.
  10. Wenn man eine Kastenform benutzt, muß der Kuchen ungefähr 45 Minuten lang im Ofen bleiben. Wenn man eine Springform oder eine große rechteckige Form verwendet, wird der Kuchen nur ungefähr halb so hoch (und dafür doppelt so breit) und muß daher nur ungefähr 20 Minuten lang im Ofen bleiben. In beiden Fällen ist der Kuchen fertig, wenn an einem hineingesteckten Zahnstocher kein Teig klebenbleibt.
  11. Den Kuchen nach dem Backen etwas abkühlen lassen, dann mit einer Gabel Löcher in die Kruste stechen, damit der Kuchen sich gleichmäßig vollsaugen kann. Wasser, Rum und Zucker in einem kleinen Topf erwärmen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Die Mischung mit einem Löffel gleichmäßig über den Kuchen gießen.
  12. Den Kuchen abdecken und mindestens einige Stunden, am besten aber über Nacht ruhen lassen.
  13. Den Kuchen vorsichtig aus der Form lösen und auf eine feste Unterlage legen. Himbeermarmelade, Wasser und Puderzucker zu einem festen Guß vermischen. (Bei Bedarf kann man etwas mehr oder etwas weniger Wasser verwenden, damit der Guß nicht zu dünnflüssig, aber auch nicht zu steif wird.) Gleichmäßig auf dem Kuchen verteilen und erstarren lassen.
Reiseblog Foodblog Lunch For One https://www.lunchforone.de/blog/

Und weil das so gut zu Thema Frühstück passt, mein Beitrag zu „Ich backs mir“ von Clara.

Hinweis:
Die Erkundung von Runeberg’s Spuren erfolgte auf Einladung von Visit Porvoo, Tourismus Finland im Rahmen der Nordic Blogger Experience.

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4 Kommentare

  1. Liebe Tina,
    und wir hatten uns im Sommer schon gewundert warum wir nirgendwo im Norden die Runeberg Törtchen gefunden haben, in der Gegend rund um Helsinki sah das im März ganz anders aus.

    Wobei, jetzt kann ich sie einfach selber backen, liebe Dank für das Rezept. Gibt es noch mehr von Porvoo?

    Liebe Grüße Sarah

  2. Oh die sind aber leckr aus. Kennen tue ich sie noch nicht, aber ich war auch noch nie in Finnland;) Schon die Geschichte dahinter zu lesen…
    Liebe Grüsse,
    Krisi

  3. Da muss ich dir ganz und gar zustimmen, Bräuche sind schon etwas schönes und wunderbares und eigentlich sollten wir sie viel mehr leben, oder?

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